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Die Dyskalkulie ist eine stark ausgeprägte Rechenschwäche, im Gegensatz zu weit verbreiteten
Mathematik-Problemen. Nach heutigen Erkenntnissen ist sie nicht vererbbar, sondern vielmehr
auf die frühkindliche Förderung zurückzuführen. Ausschlag gebend sind auch die beiden ersten
Schuljahre. Gelingt es nicht, die Grundrechenoperationen in der Primarschule zu begreifen und
kommen weitere Faktoren (siehe unten) hinzu, kann man von einer Dyskalkulie sprechen.
Mögliche Schwierigkeiten:
- Zu den Grundoperationen zählen: Addieren,
Subtrahieren, Teilen, Multiplizieren. Manche Kinder verstehen den Unterschied zwischen
diesen Operationen nicht
- Viele Kinder können sich im Zahlenraum
(1-100) nicht orientieren
- Mühe mit dem Zehnerübergang
- Unkenntnis von Begriffen wie die Hälfte,
das Doppelte, grösser/kleiner, weiter/näher, Reihenfolge
- Fehlendes simultanes Mengenerfassen bei
kleinen Mengen bis ca. 5
- Probleme mit der 0
- Probleme mit der Zahlenzerlegung, z.B.: 7 =
4+3 oder 5+2 oder 6+1
- Unklarheit der Ziffer als Einer, Zehner und
Hundertergrösse
- Unklarheit beim Schreiben der Ziffern, z.B.
verdrehen von 6 und 9
- Bei Textaufgaben: Nicht-Verstehen des Inhaltes
aufgrund von Leseschwäche oder Unklarheit bei der Zerlegung der Aufgabe in Teilschritte
Wie kann man eine Rechenschwäche behandeln?
Wie bei der Legasthenie, werden zuerst die Basisfunktionen der auditiven und
visuellen Wahrnehmung trainiert. Körperkoordination (links/rechts), Raumlage
(oben/unten, hinten/vorne), Raumorientierung, Rhythmusgefühl (Erlernen der Reihen),
Serialität (ein Schritt wird nach dem andern ausgeführt, Muster erkennen) werden
speziell Aufmerksamkeit geschenkt. Um eine Rechenschwäche zu behandeln, werden
die 4 Stufen zum Mathematischen Erfassen durchgearbeitet:
1. Stufe: Handlungsebene
2. Stufe: Bildhafte Darstellung von Mengen
2. Stufe: Zeichenmässige Darstellung in Ziffernform
4. Stufe: Automatisierung (Rechnen ohne bildhafte Vorstellung)
Frühkindliche Förderung
- Nüsse, Steine sammeln: viel/wenig Nüsse, grosse/kleine Steine
- Wasser abfüllen mit Bechern: wie viel mal musst Du nachschütten, bis der Eimer voll ist? (Schätzen)
- Abmessen mit Körperlängen, Schritten
- Wägen mit einer Waage (links und rechts muss gleichviel oder Gleichschweres in der Schale liegen)
- Bewegungsspiele: Rhythmische Spiele im Kreis (ich bin zuerst, du bist Zweite, er Dritter) Schrittabfolgen
(Muster erkennen), rechts/links üben, Gleichgewicht finden
- Ein Zeitgefühl entwickeln anhand des Tagesablaufs
- Spielen mit Lego-Steinen: Optische Differenzierung (wo im Haufen ist der passende Stein?), Längen abmessen,
Feinmotorik
Und Vieles, Vieles mehr! Nun wird auch klar, dass frühkindliche Förderung nicht bedeutet,
mit dem Kleinkind Rechenaufgaben zu lösen, sondern vielmehr mit ihm allerlei Spielerisches
zu tun. Denn Mathematik bedeutet nicht, ein paar Zahlen auf ein Papier zu schreiben, Mathematik
begleitet uns ständig im Alltag und ist erlebbar.
Das Förderkonzept orientiert sich an den Lernvoraussetzungen und den Zielen der einzelnen
SchülerIn. Nach der Abklärung wird gemeinsam mit den Eltern ein Zeitrahmen festgelegt.
Auch für erwachsene Menschen ist eine Therapie lohnenswert. Da es um Erkennen, Verstehen
und Üben geht, ist eine Dyskalkulie-Therapie in jedem Alter noch möglich, wenn die KlientIn
motiviert ist, sich dem Thema zuzuwenden.
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