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Phänomen Legasthenie

Der Begriff Legasthenie wird heute auch durch isolierte oder umschriebene Rechtschreibstörung ersetzt. Es werden haupt-
sächlich zwei Formen von Legasthenie unterschieden:

Die Sekundärlegasthenie ist meistens vorübergehend und wird vorwiegend durch psychische Ursachen, Stresssituationen, Ent-
wicklungsverzögerungen oder neurologische Ursachen hervor-
gerufen. Mangelnde Bewegungs- und Sinneserfahrungen im Klein-
kindalter können ebenfalls ausschlaggebend sein. Man spricht hier von einer erworbenen Lese-Rechtschreibschwäche.

Die Primärlegasthenie ist erblich und bleibt eine Veranlagung, welche unterschiedlich stark ausgeprägt sein kann. Sie ist nicht von der Intelligenz abhängig und auch keine Krankheit. Vereinfacht könnte man sagen, Legastheniker haben die Möglichkeit, Dinge anders zu sehen. Trotz ihrer Schwierigkeiten haben viele Leg-
astheniker einen guten Zugang zur Sprache. Umgangssprachlich überraschen sie oft mit treffenden Umschreibungen, und sind wortgewandt. Allerdings bereiten ihnen Fremdwörter oder die Umsetzung ihrer Gedanken in einen schriftlich korrekten Text enorme Mühe. So sind Aufsätze zwar fantasievoll geschrieben, jedoch übersät mit Fehlern. Die Schwierigkeiten liegen darin, die differenzierten Vorgänge, welche zum Lesen und Schreiben führen, effektiv miteinander zu koordinieren. Grundsätzlich liegen Probleme bei der Sinneswahrnehmung zugrunde: Hörverarbeitung, Sehver-
arbeitung, Raumwahrnehmung, Raumorientierung. Ausserdem spielen die Aufmerksamkeits- und Konzentrationsfähigkeit eine grosse Rolle. Legasthene Menschen haben zusätzlich eine ganze Reihe von speziellen Symptomen, mit denen sie konfrontiert sind.

    Zum Beispiel beim Schreiben:
  • Buchstaben oder ganze Wörter werden ausgelassen
  • Buchstaben werden umgestellt, z.B. ei wird zu ie
  • Verwechslung von klanggleichen Lauten: ä/e, äu/eu, ai/ei, f/v, d/t, g/k
  • Unklare Wahrnehmung der Ausrichtung von Buchstaben (Phänomen des Spiegelns) z.B.: db, qp, ZN, MW, dp, bg
  • u.a.m.

Ist der Legastheniker sehr müde oder krank, tritt das "Spiegeln" gehäuft auf. Es können ganze Wörter gespiegelt geschrieben oder geknetet werden, ohne dass dies der SchülerIn auffällt.

    Beim Lesen:
  • Die LeserIn kommt nur stockend voran, wiederholt mehrfach den gleichen Wortanfang
  • Ganze Zeilen werden ausgelassen
  • Wortendungen und Satzzeichen werden ausgelassen
  • Verwechslungen von d/b, ei/ie
  • u.a.m.

Nicht selten sind bei legasthenen Menschen das bildhafte und räum-
liche Vorstellungsvermögen stark ausgebildet, was ihnen bei der späteren Berufswahl oft zugute kommt: Häufig gewählte Berufe sind deshalb auch handwerkliche Berufe wie SchreinerIn, Mechani-
kerIn, IngenieurIn oder im gestaltenden Bereich GrafikerIn, SchneiderIn, FotografIn, aber auch ÄrztIn.

Weitere Informationen zum Thema finden Sie in der Rubrik "Literatur Legasthenie" oder "Links zum Thema".